Gut zwei Jahre besteht nun schon dieser blog. Heute erscheint als vermutlich letzter Eintrag der Abschlussbericht, in dem ich auf meine Zeit in Ecuador und besonders auf meine Arbeit fuer die Fundacion Don Bosco zurueckblicken moechte.
Als Mitarbeiter der FDB (zunaechst nur fuer das Programm in Conocoto, bald jedoch als Direktor fuer alle drei Programme verantwortlich) war ich fuer die Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen zustaendig, die durch die Armut ihrer Familien einen erschwerten Zugang zu diesen Guetern haben.
Fuer die Kinder armer Familien in Ecuador ist gute Schulbildung oder eine gute Berufsausbildung aus mindestens drei Gruenden schwer zugaenglich:
Das erste Problem betrifft die Erreichbarkeit von Bildungs-einrichtungen. Viele Familien Ecuadors leben in entlegenen Gebieten oder an den Stadtraendern der Grossstaedte, sodass fuer die Kinder und Jugendlichen der Schulweg zeitliche und finanzielle Schwierigkeiten aufwirft. Aus diesem Grund sind zwei der drei Programme der FDB in armen Vorstaedten Quitos angesiedelt, sodass hier die Bildungseinrichtungen zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt. Das ist allerdings nur moeglich, weil die meisten der Angestellten in der naeheren Umgebung der Einrichtungen wohnen. Auf dem Bild sieht man ein Haus unweit unseres Kindergartens in Calderon.
Das zweite Problem betrifft die Kosten fuer Bildung. Ein Gutteil der ecuadorianischen Bildungseinrichtungen – vom Kindergarten bis zur Universität – ist in privater Hand, teuer und damit für viele Menschen unerschwinglich. Aber auch die staatlichen Schulen sind kostenpflichtig, wenn auch die finanzielle Belastung für die Eltern deutlich geringer ist als in den Privatschulen. Deshalb versuchen viele EcuadorianerInnen, ihre Kinder in den staatlichen Bildungseinrichtungen unterzubringen. Die Folge ist, dass diese hoffnungslos überlaufen sind. In Ecuador gibt es viele sehr kinderreiche Familien, fünf bis acht Kinder pro Familie sind auch heute weit verbreitet. Wenn nun eine Familie mehrere Kinder gleichzeitig im schulpflichtigen Alter hat, wird die Finanzierung der Ausbildung zu einer Herausforderung und oft auch zu einer Überforderung der Möglichkeiten der Familie. In diesem Fall wird oft zu der „Lösung“ gegriffen, ein oder mehrere Kinder ein Jahr mit der Schule „pausieren“zu lassen und zu trachten, dass sie später ihren Bildungsweg fortsetzen können. Vonseiten der FDB begegnet man dem Problem, indem ganz arme Familien von den Kosten befreit werden und die anderen Familien einen sehr niedrigen Beitrag zahlen muessen. Das ist allerdings nur dank der grosszuegigen finanziellen Unterstuetzungen aus Europa moeglich.
Das dritte Problem ist sehr komplex und betrifft die Situation der Familien, die unter Armut leiden. Fuer viele Familien (besonders fuer kinderreiche Familien!) ist es sehr schwierig den Schulbesuch der Kinder mit den sonstigen Notwendigkeiten des Familienlebens zu vereinbaren. In vielen Familien helfen Kinder und Jugendliche mit, das Geld für den Erhalt aber auch für die (Aus)bildung der Kinder aufzubringen. Diese unverzichtbare Mithilfe kann sehr unterschiedlich aussehen. Sie reicht vom Aufpassen auf jüngere Geschwister in der Zeit, in der die Eltern arbeiten, über das Verkaufen von Süßigkeiten auf der Strasse und im Bus, über die Arbeit in der Landwirtschaft oder im familieneigenen Geschäft, bis hin zu Tätigkeiten als Träger auf dem Markt oder als Schuhputzer. Die Familien befinden sich in einem Kreislauf der Probleme. Um den Kindern Bildung zu ermöglichen, müssen diese beim Geldverdienen helfen. Diese Tätigkeiten erschweren aber den Besuch einer Schule oder Ausbildungsstätte. Es fehlt an Zeit, die Kinder und Jugendlichen sind von der Erwerbsarbeit müde, dazu kommen die Probleme der großen Entfernungen. In dieser schwierigen Situation stellt es eine gewisse Erleichterung dar, dass Schulen in Ecuador den Unterricht oft vormittags, nachmittags und abends anbieten, und dass es unzählige Bildungsangebote am Wochenende gibt. Auch die Einrichtungen der FDB bemuehen sich den Beduerfnissen der Familien soweit wie moeglich entgegen zu kommen. Auf dem Bild sieht man den Lehrling Freddy mit seiner Familie bei der Zeugnisverteilung in Conocoto.
Mir hat es grosse Freude bereitet, gemeinsam mit den Mitarbeiter-Innen der FDB diesen Schwierigkeiten entgegen zu wirken. Dabei ist der „Erfolg“ von Bildungsarbeit und somit auch der „Erfolg“ der Arbeit der FDB sehr schwer und wenn ueberhaupt dann nur langsam messbar. Ich habe mir deshalb fest vorgenommen, weiterhin mit den MitarbeiterInnen der FDB in Kontakt zu bleiben. So kann ich mitverfolgen, wie sich die Programme weiter entwickeln und welche Fortschritte die einzelnen Kinder und Jugendlichen machen.
























